Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurück genommen werden.

2019 ist das Jahr, in dem wir einmal mehr an das Zitat von Friedrich Dürrenmatt aus “DIE PHYSIKER” erinnert werden. 2019 ist das Jahr, wo der erste große gesellschaftliche und wirtschaftliche Tipping-Point erreicht ist. Und gleichzeitig werden wir mit dem Start in das nächste Jahrzehnt Teilnehmer und Zuschauer des spannendsten Wirtschaftskrimis aller Zeiten.

Noch ist nicht klar, ob aus diesem Wirtschaftskrimi eine heitere Komödie, ein Drama mit positivem Ausgang oder eine Tragödie wird. Aber wenigstens liegt es in unserer Hand. Wir sind die erste Generation, die auf alles „Gedachte“ zugreifen kann und die auch im Besitz der nötigen Ressourcen zur Umsetzung ist. Damit meine ich: Es ist gedacht, wie der Verkehr komfortabler, schneller und weniger umweltschädlich wird. Es ist gedacht worden, wie sich Stromkosten für Unternehmen und Privatpersonen drastisch senken lassen, wie die dezentrale Wertschöpfung bei der Stromerzeugung ländliche, bisher abgeschlagene Regionen stärken kann. Es ist gedacht worden, wie wir gesunde Lebensmittel umweltverträglich und mit besserem Erlös für die Landwirtschaft anbauen können. Es ist gedacht worden, wie Gebäude mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen, wie wir bei der Stahlproduktion Kohlenstoff durch Wasserstoff austauschen, es ist gedacht worden, wie wir unseren Lebensraum erhalten und warum wir ihn überhaupt schützen müssen. Und es ist gedacht worden, wie davon die Wirtschaft, die Gesellschaft und jeder einzelne von uns profitiert. Diese Erkenntnisse lassen sich nicht mehr zurück nehmen. Und dass wir überhaupt darüber nachdenken können, verdanken wir der Staatsform, die uns ermöglicht, die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts so zu gestalten, das wir 2030 das geschafft haben, was viele für genauso unmöglich hielten, wie das Betreten des Monds, die Erfindung des Penizillins oder die Idee des Internets.

Aber was wird dann aus der deutschen Autoindustrie?

Was Chemiker, Physiker, ITler, Ingenieure, Mechaniker und BWLer in den letzten Jahren gemeinsam gedacht haben, bedeutet eine enorme Verbesserung von Komfort, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit. Deshalb lässt sich das Ende des Verbrennungsmotors nicht mehr aufhalten, die seit Jahren vorhandene Technologie nicht länger zurück halten. Weder “alternative Fakten” noch fingierte Studien oder die Einflussnahme auf Politik & Verwaltung können daran etwas ändern. Dieses Jahr hat Hansjörg Freiherr von Gemmingen-Hornberg in seinem Tesla Model S den Kilometerstand von 1.000.000 erreicht. Während auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 fast ausschließlich asiatische Busse und LKWs mit Elektroantrieb standen, präsentierte auf der BUSWORLD 2019 in Brüssel jeder europäische Hersteller die passenden Fahrzeuge - für einen emissionsfreien ÖPNV. Angesichts des Modellfeuerwerks europäischer Hersteller bei Elektrofahrzeugen bin ich zuversichtlich, dass jetzt die Branche die internationale Entwicklung akzeptiert und die Herausforderung zur Transformation annimmt.

Kriegen wir das denn hin, mit der Transformation?

Gemeinsam schaffen wir das, da bin ich mir ziemlich sicher. Allerdings müssen alle an einem Strang ziehen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das macht es aber doch gerade besonders spannend, oder nicht? Wenn Wirtschaftsverbände und Umweltorganisationen gemeinsam an Lösungen arbeiten. Wenn Betriebsrat und Unternehmensführung an einem Strang ziehen. Wenn wir das Knowhow jeder Generation nutzen. Wenn wir der Wissenschaft besser zuhören und uns von der Kultur mehr inspizieren lassen. Wenn wir das Gedachte weiterdenken statt zu bekämpfen. Und wenn wir erkennen, das für diese Veränderungen weder Greta Thunberg noch Elon Musk verantwortlich sind, sondern, ihr ahnt es schon. Wo wir wieder bei den Physikern sind. Ach ja, Elon Musk ist zwar kein Physiker, aber unsere Bundeskanzlerin.

Gemeinsam schaffen wir das, da bin ich mir ziemlich sicher. Allerdings müssen alle an einem Strang ziehen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das macht es aber doch gerade besonders spannend, oder nicht?